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   Übebegleitung und Simultanunterricht    

In einer alltäglichen Woche, in der Musikschüler:innen sich mit Freude und Begeisterung auf ihrem Instrument weiterentwickeln sollen, schwimmt der halb- oder dreiviertelstündliche Unterricht wie eine kleine Insel im Ozean der sieben Wochentage, an denen eigentlich ungefähr so lange, wie der Unterricht dauert, konstruktiv und konzentriert geübt werden sollte. Täglich eine halbe oder dreiviertel Stunde. Mindestens. Bis wieder Zeit ist, zum nächsten Musikunterricht zu gehen. Der dann oft genug mit einem schlagartig schlechten Gewissen vorgebrachten Entschuldigung beginnt: »Ich konnte nicht üben, weil…« Das muss dann nicht mehr sein, wenn wir Lehrende uns auch für die Qualität des Übens mitverantwortlich fühlen und für unsere Schüler:innen die Woche über als Begleiter:innen des Übe- und Aneignungsprozesses fühlen. Dafür müssen wir uns einer radikal anderen stellen: Weg vom »Motor« hin und hin zum Begleiter, Beobachter und Lenker der Prozesse.

»Der Schüler sei das Maß und Mittelpunkt der Prozesse«:

1. NICHT der Unterrichtsgegenstand (das Stück, die Etüde, das Experiment) und NICHT das Fortkommen am Stück
2. NICHT das Instrument
3. NICHT die Beziehung
sondern die Schülerin selbst. Es geht vielmehr um…
…den Erhalt und die Förderung ihrer eigenen Begeisterung fürs Musizieren
…die Verantwortungsübernahme der Schülerin für ihren Lernfortschritt. Der Schülerin fragt und die Lehrerin antwortet.
…die Freude des Schülers, zum Gestalter und Entscheider seiner konkreten Übeprozesse zu werden.
…die Erfahrung seiner eigenen Wirksamkeit, seine messbaren Erfolgserlebnisse. Das Erlebnis des eigenen Wachstums, der Zunahme der eigenen Leistung.

Das ist die Grundlage aller alternativen Unterrichtsformen, der Grundidee des Musizierlernhauses, der Montessori-Idee und der alternativen Modellschulen wie »Schule im Aufbruch« etc.: Die Lernenden übernehmen mehr und mehr die Verantwortung für ihren Bildungsprozess, für ihre Entwicklung selbst. Die Lehrenden sind dabei Begleiter und Unterstützer, Initialgeber und Inspiratoren. Dies ist der Zielpunkt unseres Weges und unsere Aufgabe als Lehrende der Musikschule Trossingen:
• »Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen« Heraklit

Um was es konkret gehen kann

• Während des Lockdowns: Montag bis Freitag 2x täglich eine Stunde Livechat von 11-12 Uhr und 17-18 Uhr. Während der »Sprechstunde« werden alle teilnehmenden Schüler:innen gleichzeitig beim Üben betreut. Erfahrung: bei 20 Schüler:innen besuchen nicht mehr als 7 S den Livechat gleichzeitig
• Jeder S kann rund um die Uhr Audios zuschicken. Die Lehrende reagiert innerhalb 24 Stunden
• Das Übecoaching kann komplett Online-Unterricht ersetzen
• Jede:r Schüler:in kann an allen Livechats beliebig oft teilnehmen. Aus Schüler:innen-Sicht: Livechat = Übestunde
• Der Schüler-Upload: oftmals nur kommentarlos die Musik (den aktuellen Übestand) selbst

Beobachtungen und Vorteile (S=Schüler:in / Lehrende:r)

• S üben mehr, weil sie nicht mehr in Sackgassen geraten, ratlos stagnieren oder ganz aufgeben.
• Kein S rutscht mehr in die Lethargie »Ich konnte nicht üben, weil…« wegen häufigerem Kontakt zu L und Erfolgserlebnissen. Die Freude am Instrument und Spielen kann so gerade beim Üben erhalten werden.
• Keine Überforderung der S, keine »Gestrandet-Gefühle« oder »Scheitern-Gefühle« mehr, weil nächster Schritt gemeinsam gegangen wird.
• Soforthilfe, Fehler können sofort korrigiert werden, kein Verbleiben im Scheitern und der Überforderung
• »Faszination Smartphone« – das Hantieren mit dem Handy ist Alltag und Selbstverständlichkeit
• App-Nutzung ist niederschwellig
• L bekommt Einblick in häusliche Übesituation und Zustand der Instrumente, Intervention des L im Elternhaus möglich
• Bessere L-S-Beziehung, häufiger Kontakt intensiviert und stärkt, Verständnis für S wächst
• freiere Zeiteinteilung des L durch zeitlich definierte »Sprechstunden« oder individuelle Reaktion auf S-Audios
• kleinschrittige Aufgabenstellungen bringen häufigere Selbstwirksamkeitserlebnisse, »Gelingenserlebnisse« hervor
• Aufbau von Übemethodik, S lernen Übemodelle, erhöhen Transferkompetenz und Selbstständigkeit
• S hören ihre eigenen Ergebnisse an: Produzieren (Spielen) wird vom Rezipieren (Hören) getrennt. Entwicklung von Selbstkontrolle und -korrektur »Der innere Lehrer« Hörkontrolle wird geübt
• Mögliche Bereitstellung von Playalongs. Diese werden auch spontan (im U-Dialog oder parallel) erstellt
• Anregung zur Improvisation und Komposition
• Bei einzelnen S: Intensivierung des auditiven Lernens. Graduelle Schwierigkeitssteigerungen
• Betreutes »Stellen üben« S erlebt die Unterstützung des L unmittelbar bei jedem einzelnen Schritt. Erlebte und konkrete Ermutigung. Dabei zählt die Kleinschrittigkeit und der direkte gegenseitige (musikalische) Dialog
• Auditive Musiktheorie. Akkorde, Intervalle, Tongeschlecht…

II – Übebegleitung in der Simultansituation – Üben im Unterricht

Durch Verdoppelung oder Verdreifachung der »Lern«-Zeit wird es möglich, zwei oder mehr Schüler simultan in zwei oder mehr Räumen zu unterrichten. Pro S: 30 min Unterricht und 30 min Üben. (Aus zwei Schülern, die nacheinander kommen, macht man eine 2-er oder 3-er Gruppe, die simultan unterrichtet wird.)
Das häusliche Üben wird durch das Verdoppeln der zur Verfügung stehenden Zeit exemplarisch in den Unterricht integriert. In kurzen Übephasen kann das soeben Gelernte gut gespeichert und korrigiert werden. Die Lehrende erhält eine unmittelbare Rückmeldung, ob und wie der Lerninhalt verstanden und musikalisch umgesetzt worden ist. Die Unterrichtsphasen werden deutlich konzentrierter und fokussierter.
Definition: Beim Simultanunterricht geht es darum, das Üben zu üben, beim Üben-Lernen zu helfen. Sein Ziel ist, Stücke ohne unsere Hilfe bis hin zur Vorspielbarkeit selbst erarbeiten können. Er zeichnet sich durch den Wechsel von Übephasen ohne Lehrer:in und kurzen Inputphasen durch die/den Lehrende:r aus.

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