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   Musikalische Spiele    

Um was es geht

Das Angebot »Musikalische Spiele« soll im größeren Zusammenhang der Musikschule Trossingen in ihrer Verwandlung in ein «Musizierlernhaus« dauerhaft etabliert werden. Sinn der »Musikalischen Spiele« ist es, dass Lernende gemeinsam spielen und Spaß haben. Die Gruppe trifft sich regelmäßig, um musikbezogene Spiele zu spielen und sich gegenseitig besser kennenzulernen. Die »Musikalischen Spiele« sind seit Jahrzehnten allgemein bekannte Gruppenspiele, die mit musikalischen Inhalten verbunden werden. Die Teilnehmer erweitern dabei spielerisch, effektiv und vor allem nebenbei ihre Kompetenzen in Gehörbildung, Rhythmik und Musiklehre. Daneben entdecken sie erste Zugänge zur Improvisation und zum Gruppenmusizieren.

Der Grundgedanke

Der Grundgedanke der »Musikalischen Spiele« wird auch von unserer Vision aufgenommen: »Wir schaffen für Menschen jeden Alters Räume, in denen sie im Umgang mit den Künsten Lebendigkeit, Schönheit und Spiel gestalten können. Wir wecken, ermöglichen und fördern Freude am Lernen, am eigenen Entdecken und am gemeinsamen Gestalten. Dabei soll alles aus eigenem Antrieb geschehen: bei Lernenden und Lehrenden, bei allen an unserer Schule beteiligten und arbeitenden Menschen. Unsere Schule soll eine Gemeinschaft sein, in der wir uns gegenseitig ermutigen, einladen und inspirieren, um über uns selbst hinauszuwachsen.«
Bei den »Musikalischen Spielen« stehen Spiel und Spaß im Vordergrund. Es liegt in der Natur von Kindern, Spiele zu erfinden und zu spielen. In der Schule wird meistens vermittelt, dass sich Lernerfolg zu Spiel und Spaß gegensätzlich verhält und Spielen zu wenig zielorientiert sei. Deshalb wird im Schulalltag selten – außer vielleicht noch im Sport – gespielt. Leider überwiegt in der Regelschule die Meinung, dass sich die Methoden, die Lernwege den Lerninhalten unterzuordnen hätten und deswegen weitgehend vorgegeben sein müssten. Als ob sich die Entdeckung der Welt anordnen ließe…

Die Teilnehmenden der »Musikalischen Spiele« können ihre Freude am Lernen, am eigenen Entdecken und am gemeinsamen Gestalten ihren freien Lauf lassen. Sie werden dabei nicht bewertet, denn es geht nicht um eine zu erbringende Leistung der Teilnehmenden. Die Erkenntnis oder der Lernerfolg kommt nebenbei und definitiv unbeabsichtigt: Die Teilnehmenden möchten entweder gewinnen oder auch gut zusammenarbeiten. Dafür ist es nötig, den Unterschied beispielsweise zwischen einer Quinte und einer Quarte zu hören und zu benennen. Das übt man dann, um zu gewinnen und nicht, weil ein Lehrender meint, dies sei wichtig zu wissen.

Spiele rufen ständig Emotionen hervor: egal, ob beim Jubel über den Sieg oder bei der Enttäuschung über die Niederlage. Laut Gerald Hüther wird nur, was unter die Haut geht, sicher behalten. So verknüpfen wir die Freude im und am Spiel mit angemessenen musikalischen Herausforderungen. Die Teilnehmenden werden nebenbei bemerken, dass sie sich sehr effektiv mit Gehörbildung, musikalischen Begriffen und anderen Feldern der Musiktheorie beschäftigen.

Verbundenheit in der Gemeinschaft und Autonomie bzw. Selbstbestimmung sind nur vermeintliche Gegensätze. Zusammen mit der Vergrößerung von Selbstwirksamkeit und Lernen sind sie die drei Grundmotivationen menschlichen Wachstums. »Wirkliches Lernen muss nahe am Spiel sein. Ein Prozess, bei dem der Akteur des Lernens das Kind, der Schüler, der Lernende und nicht der Lehrer ist. « Laut Gerhard Hüther gibt es drei Stufen der Anleitung: Die erste ist die Einladung, die zweite die Ermutigung und die dritte die Inspiration. Er handelt schülerorientiert, das heißt, er richtet sich nach den individuellen und situativen Möglichkeiten des Lernenden. Die Lehrperson soll Begleiter und Inspirationsquelle und weniger »Wissensvermittler« sein. Gerhard Hüther sagt: »Man eignet sich nur das an, was man selbst entdeckt hat. Lernforscher sind sich ja einig, dass zwei Jahre nach der Matura herzlich wenig übrig ist von dem, was in zwölf oder dreizehn Jahren Schulzeit unterrichtet wurde. Ganz im Gegensatz zu dem, was sich ein Kind in den ersten drei Lebensjahren ohne Unterricht, also aus sich selbst heraus angeeignet hat.« Deshalb sollen Lernende sich selbst ihre eigenen Ziele setzen können. Ihnen müssen lediglich inspirierende Entdeckungsräume und Lernanlässe, bzw. Lernanimationen zur Verfügung gestellt werden, in denen sie ihre eigenen Erfahrungen machen können. Denn nur so ändern sich Haltungen, die die Grundlage unseres Handelns sind; nicht etwa, indem man die Schüler:innen belehrt, belohnt oder bestraft. Die ideale Lehrperson versteht sich selbst als Partner:in der Lernenden, die ihnen Wertschätzung und Respekt entgegenbringt und sie begeistert.

Die »Musikalischen Spiele« gehören zu den ersten Schritten, neue Lehr- und Lernformen in die Musikschulpraxis der Musikschule zu integrieren. Denn bisher »fehlt es an einer Kultur, Gelerntes umgehend weiter- geben zu können.« (Andreas Doerne) Es können auch Schüler und Schülerinnen Spielleiter:innen sein – sie sind somit nicht nur auf die Tätigkeit des Lernens festgeschrieben. Daneben lehrt sich die Gruppe im Spiel ständig gegenseitig selbst. Die »Musikalischen Spiele« bieten die Möglichkeit, dass Lernende schon früh in pädagogische Tätigkeiten hineinwachsen. Indem der/die Spielleiter:in sich für das Lernen anderer interessiert und es empathisch zu verstehen versucht, agiert er/sie als Lehrer:in, ohne als solche:r wahrgenommen zu werden. Die »Musikalischen Spiele« können als Prozess im Laufe der Zeit eine Situation etablieren, die eigenständig zwischen Schülern und Schülerinnen abläuft und aus dem sich Lehrerinnen und Lehrer völlig heraushalten.

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